Zahnreinigung und Ernährung

Welche Bedeutung hat Zucker für die Mundgesundheit? 

Zahnreinigung und Ernährung

Zucker fördert die Entstehung von Karies bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Anzahl der Zuckerimpulse und die Verweildauer von Kohlenhydraten in der Mundhöhle sind entscheidend.

Ernährungsberatung und Mundhygieneunterweisung als Teil der professionellen Zahnreinigung – Tipps zusammengefasst:

  1. Kohlehydrate, vor allem Zucker, sollten möglichst nur mit den Hauptmalzeiten gegessen werden.
  2. Gezuckerte Getränke und Säfte sollten ebenfalls nur zu den Hauptmalzeiten getrunken werden. Als Getränk für zwischendurch eignen sich vor allem Wasser und ungesüßte Tees aus biologischem Anbau.
  3. Als Zwischenmalzeit eignen sich vor allem Gemüse und Nüsse.
  4. Ein Ernährungstagebuch hilft falsche Verhaltensmuster bei der Nahrungsaufnahme zu erkennen.
  5. Versteckter Zucker in Lebensmitteln kann vermieden werden.
  6. Eine gesunde Ernährung besteht auch im Rahmen der Kariesprävention aus Gemüse, Fisch, ungesüßte Milchprodukten, Obst und Vollkornprodukten, um den Körper nicht mit Konservierungsstoffen und verstecktem Zucker zu belasten.
  7. Die Zähne sollten zweimal tägliche geputzt werden. Des Weiteren sollten die Zahnzwischenräume mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide gereinigt werden. Die Zungenreinigung ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen häuslichen Mundhygiene.
  8. Nach dem Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln dürfen für mindestens 30 Minuten die Zähne nicht geputzt werden. Wer Obst frühstückt und morgens schnell aus dem Haus muss, sollte daher die Mundhöhle vor dem Frühstück gründlich reinigen.
  9. Falls keine Zahnbürste nach einer Mahlzeit zur Hand ist, empfiehlt sich das Kauen eines zahnschonenden Kaugummis.
  10. Die von der Schulmedizin propagierte Fluoridierung wird aus naturheilkundlicher Sicht kritisch beurteilt. Gerade von Kleinkindern und Kindern wird meist mehr Zahnpasta geschluckt als ausgespuckt.
  11. Auch bei Babys und Kleinkindern muss auf die Zuckerzufuhr geachtet werden. Early Childhood Karies beschreibt die frühkindliche Karies. Das Zahnmännchen ist ein Wegweiser für Eltern die richtigen Produkte zu finden.
  12. Karies kann nur mit der Zufuhr von Kohlenhydraten, besonders Zucker, entstehen.
  13. Es kommt bei der Kariesentstehung primär nicht auf die konsumierte Menge an Zucker und Kohlenhydraten an, sondern auf die die Frequenz der Zuckerzufuhr.

Kohlenhydrate und Karies

Karies entsteht durch Bakterien. Diese Bakterien bauen zur Energiegewinnung Zucker und andere Kohlenhydrate ab. Bei der Metabolisierung von Zucker entstehen Säuren, die die Zähne demineralisieren. Wichtige Stoffe werden somit aus dem Zahn gelöst. Der Zahn wird „entkalkt“ und damit schwächer. Der erste Schritt für eine Kariesläsion ist gemacht. Eine initiale Karies kann reversibel sein. Das bedeutet, durch Demineralisationsvorgänge verliert der betroffene Zahn zwar sein Gleichgewicht, aber durch Fluoridierung und perfekte Mundhygiene kann verhindert werden, dass die die Karies voranschreitet. Wird ein Zahn mit einer initialen Karies weiteren Demineralisationsangriffen ausgesetzt, z.B. durch viel Plaque und Zuckerkonsum, kann eine kariöse Läsion entstehen. Wichtige Faktoren bei der Entstehung von einem Loch sind neben der Plaque (Beläge, Biofilm), die Häufigkeit der Zuckerimpulse sowie die Verweildauer von Zucker in der Mundhöhle. Die Mundhygiene spielt bei der Kariesentstehung neben der genetischen Komponente ebenso eine wichtige Rolle bei der Kariesentstehung wie das Fehlen von ausreichend Speichel.

Kurzum: Ohne Zucker ist die Entwicklung von Karies nicht möglich. Je häufiger Zucker gegessen wird und je länger Zucker in der Mundhöhle verweilt, z.B. durch klebrige Konsistenz, desto größer ist das Risiko der Kariesentstehung.

Kein Zucker, keine Karies

Epidemiologische Studien zeigen, dass mit einer rationierten Zuckerzufuhr das Kariesrisiko in einer Population sinkt. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte bei Kindern festgestellt werden, dass das Kariesrisiko sinkt, wenn pro Tag und pro Kopf weniger als 50 g Zucker konsumiert werden. Der direkte Zusammenhang zwischen Zucker und Karies konnte auch während der UN – Sanktionen gegen den Irak dokumentiert werden. Für den Zeitraum, in dem nur noch 12 kg statt 50 kg Zucker pro Kopf und Jahr zur Verfügung (Imfeld) standen, wurde ein Kariesrückgang von 50% festgestellt. Mit diesem Wissen ist es jedem Erwachsenen leicht möglich mit seiner Gesundheit sorgsam umzugehen. Die Ernährung spielt eine steuerbare Schlüsselrolle bei der Entstehung von Karies. Karies wird durch direkten Einfluss von Zucker auf die Zähne ausgelöst. Über die Magensonde zugeführter Zucker wirkt nicht kariogen. Dies konnte in Tierversuchen gezeigt werden.

Ist Zucker gleich Zucker bei der Kariesentstehung?

zahnreinigung-zuckerMit dem Wort Saccharose wird der ganz normale Haushaltszucker beschrieben. Für die Zähne ist Haushaltszucker schädlich. Kariesbildende Bakterien können Saccharose rasch verstoffwechseln. Die in Folge entstehenden Säuren schädigen die Zahnhartsubstanz. Zwar wird Saccharose rasch durch de Speichel aus der Mundhöhle eliminiert, doch ist der Haushaltszucker ein großer Feind für gesunde Zähne. Besonders schädliche sind klebrige Bonbons, die sich nur sehr schlecht aus der Mundhöhle spülen lassen. Alle Süßigkeiten, die sich besonders lange in den Approximalräumen (Zahnzwischenräumen) festsetzen, stellen ein besonders hohes Kariesrisiko dar. Durch das andauernde Anhaften von Zucker an den Zähnen, kann bei den Stoffwechselprozeesen der kariesbildenden Bakterien mehr Säure gebildet werden. Die Zähne werden länger demineralisiert. Das Kariesrisiko steigt.

Aber nicht nur Saccharose ist für die Bildung von Karies relevant. Auch Traubenzucker (Glucose) und Frucktzucker (Fructose) wird von Streptococcus mutans und Co verstoffwechselt und kann somit den Zahn demineralisieren. Gerade bei Obst muss auf die zusätzliche Schwächung der Zähne durch Säure bedacht werden. So ist bei Obstsäften nicht nur der Fruchtzucker ein „Angriff“ für die Zahnhartsubstanz, sondern auch die Fruchtsäure. Bei Fruchtsäften muss ebenfalls auf den oft nicht ausgeschilderten Zusatz von Zucker geachtet werden.

Versteckter Zucker

Nicht nur Lebensmittel, die süß schmecken haben einen hohen Zuckeranteil. Besonders bei Fertiggerichten und Instantlebensmittel ist das Studium der Inhaltsstoffe oft sehr aufschlussreich. Dosenfisch, Senf, Dosengemüse, Salzgebäck und Chips sind einige wenige Beispiele für Produkte, die viel versteckten Zucker enthalten. Klassisches Beispiel ist Ketchup. Bis zu 30% Saccharose (Haushaltszucker) kann Tomatenketchup enthalten. Vorsicht ist auch bei Halslutschtabletten geboten.

Obst ist durch den oft hohen Fructoseanteil durchaus auch als kariogen einzustufen. Allerdings haben naturbelassene Nahrungsmittel kaum eine Zuckerkonzentration, die 20% übersteigt. Ab 20% Zuckeranteil eines Lebensmittels konnte ein erhöhter Kariesbefall nachgewiesen werden. Ausnahme bei den natürlichen Nahrungsmitteln ist der Honig und manche getrockneten Früchte, die sogar zwischen 60 und 80% Zuckerkonzentration aufweisen können (Imfeld).

Tipp für den Alltag – Ernährungstagebuch

Zur Selbstkontrolle bietet sich ein Ernährungsprotokoll an. Wie ein Tagebuch sollten alle Lebensmittel eingetragen werden. Nach dem Genuss von potentiell kariogenen Produkten wird für die nächste halbe Stunde ein roter Strich gezogen. Dies ist die Phase der pH Wert Neutralisierung. Idealerweise sollten so wenig wie möglich rote Striche am Ende des Tages gezählt werden.

Getränke, die Zucker enthalten, dürfen nicht vergessen werden. Jeder Schluck an einem Obstsaft stellt einen roten Strich für 30 Minuten dar. Am Ende eines Tages häufen sich doch meist deutliche mehr rote Striche an als vermutet.

Das individuelle Kariesrisiko lässt sich durch die Dokumentation von Zuckerimpulsen nur teilweise bestimmen. Die persönliche Speichelsekretion, die genetische Veranlagung und die Mundhygiene spielen hierbei neben der Zuckeraufnahme eine weitere wichtige Rolle. Interessierte sind jedoch oft erstaunt, wie oft sie die Zähne Zuckerimpulsen und Demineralisationsphasen aussetzen. Durch das Ernährungstagebuch werden schlechte Angewohnheiten aufgedeckt, die Grundlage für eine Verhaltensänderung ist gemacht. Der erste Schritt in Richtung Kariesprävention ist erfolgt.

Zucker und Milchzähne – auch in der Nuckelflasche steckt oft Zucker

Milchzähne werden ebenfalls von Zucker angegriffen. Gerade bei den Kleinen stellt das ständige Naschen ein erhöhtes Risiko für die Kariesentstehung dar. Oftmals stibitzen Kinder über den ganzen Tag hinweg Süßigkeiten. Der pH Wert im Mund kann sich kaum erholen. Des Weiteren fehlt den Kleinen noch das nötige Bewusstsein für eine gründliche Mundhygiene und Eltern haben Probleme die Kinder zum ausführlichen Zähneputzen zu motivieren. Das Kariesrisiko steigt. Besonders gesüßte Getränke in Flaschen, die ständig genuckelt werden, sind eine Bedrohung für gesunde Milchzähne. So zeigt die Praxis, dass Kleinkinder schon völlig abgefaulte Zähne haben können, die im schlimmsten Fall sogar entfernt werden müssen. Klassischerweise handelt es sich hierbei um die Oberkiefer Frontzähne. Man spricht von early childhood caries (ECC) oder Nuckelflaschenkaries. Die bleibenden Oberkieferfrontzähne brechen allerdings durchschnittlich erst mit 6 Jahren durch. So fehlt den Kindern oft jahrelang die Zahnfront. Mit Kinderprothesen kann Abhilfe geschaffen werden. Eine zufriedenstellende Lösung stellt dieser Kompromiss allerdings nicht dar. Die Verantwortung liegt bei den Eltern, die auf die Zahngesundheit ihrer Kinder achten müssen. In Nuckelflaschen sollte sich nur Wasser oder ein ungesüßter Tee aus biologischem Anbau befinden. Das Zahnmännchen versieht Produkte, die zahnfreundlich sind und soll Eltern ein Wegweiser bei der Auswahl geeigneter Produkte sein. Vorsicht ist vor allem bei Instant Tees geboten. Eltern sollen gewissenhaft die Produktinformation lesen.

Das Fläschchen sollte Babys nie ohne Beaufsichtigung gegeben werden, um das dauerhafte Nuckeln zu verhindern und Kleinkinder sollten aus Tassen und nicht aus Babyflaschen trinken. 

Wie viel Zuckergehalt haben welche Getränke?

HandelsnamePortionsgrößeZucker in GrammZuckerstücke
Hohes C naturelle Apfel-Kirsche Fruchsaftschorle1 Glas (200ml)11,2 g3
Coca Cola Softdrink1 Glas (200ml)21,6 g7
Lift Apfelschorle1 Glas (200ml)10,6 g4
Caprisonne Apple Fruchtsaftgetränk1 Packung (330ml)22,8 g8
Lipton Ice Tea Softdrink1 Glas (200ml)13,6 g5
Punica Classics Multivitamin 17 + 41 Glas (200ml)19,2 g6 

Wie viel Zucker versteckt sich in gesüßten Milchprodukten?

LebensmittelPortionsgrößeZucker in GrammZuckerstücke
FruchtZwerge Fruchtjoghurt1 Becher (50g)6,42
Müller MilchReis Kirsche1 Becher (200g)26,29
Actimel probiotischer Joghurt Drink1 Fläschchen (100g)10,53
Nesquick trinkfertig Milchmischgetränk1 Packung (0,33L)3712
Monte Drink Milchmischgetränk1 Packung (200ml)23,28
Danone Fantasia Schoko Balls Joghurt mit Vanillegeschmack1 Becker mit Balls (105 g)14,75
   

Information zur Tabelle: Bei Milchprodukten ist davon auszugehen, dass bei dem Kohlenhydrat- bzw. Zuckeranteil ca. 3 bis 4 g natürlicher Milchzucker pro 100g Milchprodukt enthalten sind.

Wie viel Zuckerwürfel stecken in Süßigkeiten?

LebensmittelPortionsgrößeZucker in GrammZuckerstücke
Snickers Schokoriegel1 Mini Riegel (18 g)8,63
m & ms choco Schokolinsen1 kleine Packung (45g)29,9 g10
Kinder country Riegel1 Riegel (23,5 g)11,5 g4
Kinderschokolade Schokoriegel1 Packungsriegel (12, 5 g)6,62
Trolli Fishmix total sauer! Gummibonbons1 Hand voll (30 g)17,7 g6
Haribo Goldbären Fruchtgummi1 Mini – Beutel (14 g)6,4 g2
Leibniz Butterkekse1 Mini – Päckchen (25 g)5,252
Langnese Cuja Mara Split Speiseeis1 Portion Eis am Stiel (ca. 70 g)31 g10

Information zu den Tabellen: Ein Stück Würfelzucker wiegt 3 g. Bei der Errechnung der Zuckerstückchen pro Nahrungsmittel wurde ab- oder aufgerundet

Quelle der Listen: Landesarbeitsgemeinschaft Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen (Gruppenprophylaxe) e. V., ZUCKERliste,

Perfekt Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung bei hohem Zuckerkonsum notwendig

Bei der Zahnreinigung ist neben dem Entfernen von harten und weichen Belägen auch die Remotivation der Patienten von großer Bedeutung. Die beste Zahnreinigung nützt nichts, wenn kurz nach der Behandlung sofort wieder alte Verhaltensmuster aufgegriffen werden. So werden Patienten motiviert die gesamte Mundhöhle tägliche gründlich zu reinigen, sich gesund zu ernähren und das Rauchen sein zu lassen. Die Ernährungsberatung hat in der Zahnmedizin einen oft unterschätzen Stellenwert. So geht es zum einen um den kariogenen Effekt von Kohlenhydraten, vor allem Zucker, aber auch um die ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Calcium. Wichtig ist es auch, dass sich Patienten bewusst werden, dass durch säurehaltige Lebensmittel wie Softdrinks, Zitrusfrüchte oder Essig, die Zahnhartsubstanz ebenfalls geschädigt wird.

Quellen

  1. Landesarbeitsgemeinsacht Berlin zur Verhütung von Zahnerkrankungen  (Gruppenprophylaxe) e. V. ZUCKERliste
  2. Gänlger P, Hoffmann T, Willershausen B, Schwenzer N, Ehrenfeld M, Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie, 3. Auflage, 2010, Georg Thieme Verlag
  3. Aktion zahnfreundlich e.V., Danckelmannstr. 9, 14059 Berlin
  4. Isomaltulose sorgt für zahnfreundliche Kindertees, prophylaxe impuls, 17. Jahrgang, 92, 2012
  5. Imfeld T, Kohlenhydrate und Zahnkaries, Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin, 3/09



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