Ursache von Mundgeruch

Warum hab ich Mundgeruch? 

Ursache von Mundgeruch

Mundgeruch hat seine Ursache meist in der Mundhöhle. In 94% der Fälle ist Halitosis oralen Ursprungs.

Was ist Halitosis?

Der Begriff Halitosis beschreibt einen unangenehmen Geruch beim Ausatmen. Halitosis auf lästigen Mundgeruch zu reduzieren, ist falsch. Halitosis kann schlechten Atem aus Mund und Nase beschreiben. Mundgeruch steht laut Definition für schlechten Geruch aus der Mundhöhle. Halitosis wird trotzdem in der Fachliteratur häufig als Synonym für Mundgeruch verwendet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird in diesem Artikel und den Seiten von zahnreinigung.net Halitosis gleichbedeutend mit Mundgeruch verwendet, auch, wenn dies streng genommen nicht korrekt ist.

Die Entstehung des Wortes Halitosis ist überraschend. Es handelt sich um ein Kunstwort der Firma Listerine. Zahnmedizinische Produkte sollten mit diesem neu erschaffenen Wort beworben werden.

Die Ursache von Halitosis/Mundgeruch ist keineswegs auf den Mundbereich beschränkt. Die Ursachen für den schlechten Atem aus Mund oder Nase können ebenfalls außerhalb der Mundhöhle (extraoral) liegen. Mundgeruch kann beispielsweise seinen Ursprung im Rachen, den Nasennebenhöhlen, dem Magen oder der Lunge/Atemwege haben. Der schlechte Geruch kann sowohl über den Mund als auch über die Nase abgeatmet werden.

Mundgeruch

Normalerweise nehmen Menschen ihren eigenen „neutralen“ Geruch aus der Mundhöhle nicht wahr. Selbst der eigene unangenehme Mundgeruch wird von Betroffen meist später als von der Umwelt realisiert, da die Geruchsorgane sich an den eigenen Geruch adaptieren und diesen nicht mehr wahrnehmen. Daher ist es schwer sich selbst zu riechen. Um Mundgeruch zu testen, gibt es einen in der Literatur beschriebenen zuverlässigen Test. Mit Hilfe einer Mülltüte können Menschen, die vermeintlich an Mundgeruch leiden, ohne die Hilfe von Dritten den eigenen Atem überprüfen.

Mundgeruch ist immer noch ein großes Tabuthema in der Bevölkerung. Betroffene haben häufig großes Schamgefühl und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Die erste Anlaufstelle bei dem Verdacht auf Mundgeruch sollte immer der Zahnarzt sein, schließlich haben ungefähr 94 % aller Fälle von Mundgeruch ihren Ursprung in der Mundhöhle.

Wie sagt man noch zu Mundgeruch?

Mundgeruch hat viele Synonyme. Gerade aus dem Englischen werden auch folgende Begriffe für die Worte Mundgeruch und Halitosis benutzt:

  • Foetor ex ore
  • Bad breath
  • Breath odor
  • Foul smells
  • Offensive breath
  • Oral maladour

„normaler“ Mundgeruch

Normaler Mundgeruch (auch: physiologischer Mundgeruch) entsteht durch den Genuss von einigen Nahrungsmitteln. Knoblauch und Zwiebeln sind die bekanntesten Vertreter. Aber auch ein Zuviel an Kaffee fördert Mundgeruch. Durch Alkohol entsteht ebenfalls ein übel riechender Geruch aus der Mundhöhle, der klassischerweise als Fahne bezeichnet wird. Raucher werden ebenfalls häufig auf einen schlechten Atem hingewiesen. Hinter diesen Formen von Mundgeruch steht keine Grunderkrankung. Der Verzicht auf diese Lebens- und Genussmittel, verschafft in der Regel rasch deutliche Besserung. Unter morgendlichem Mundgeruch leiden viele Menschen. Es muss aber nicht sein, dass eine Krankheit hinter dem schlechtem Atem steht.

Mundgeruch am morgen

Viele Menschen klagen über Mundgeruch am Morgen. Die Werbung schlägt aus diesem Phänomen schon seit Jahrzehnten Kapital. Die Begründung für dieses Phänomen liegt in der nächtlichen Ruhe. Tagsüber wird die Mundhöhle nach jeder Mahlzeit durch die Speichelsekretion ausgespült und die Zunge durch den Kauakt gereinigt. Direkt nach einer Mahlzeit ist daher der lästige Mundgeruch meist völlig verschwunden, außer die Speisen enthielten beispielsweise Knoblauch oder Zwiebeln. Finden die Selbstreinigungsmechanismen in der Mundhöhle durch Ruhe eine Weile nicht statt, bildet sich der lästige Mundgeruch wieder aus. Dies ist die Erklärung für Mundgeruch am Morgen. Nachts wird die Mundhöhle nicht durch Speichelsekretion oder Nahrungsmittelaufnahme gereinigt. Der üble Geruch entsteht. Meist verflüchtigt sich der schlechte Atem mit dem Frühstück. Durch Schnarchen und Mundatmung trocknet die Mundhöhle nachts zusätzlich aus und der morgendliche Mundgeruch kann dadurch stärker ausgeprägt sein.

Mundgeruch: Ursache in der Mundhöhle

Meist hat der Mundgeruch seine Ursache in der Mundhöhle. Somit ist der Zahnarzt die erste Anlaufstelle im Kampf für einen frischen Atem. Bei einem Kontrolltermin wird der Zahnarzt die Mundhöhle gründlich nach möglichen Ursachen für Mundgeruch untersuchen.

In der Mundhöhle gibt es unterschiedliche Ursachen für die Entstehung von schlechtem Atem. Die häufigsten Ursachen werden nun beschrieben.

Die Zunge ist am häufigsten für den schlechten Geruch aus dem Mund verantwortlich. Mit ihren Furchen und Krypten stellt die Zunge eine ideale Oberflächenstruktur zur Anhaftung von Bakterien dar. Eine Parodontitis (Zahnfleischentzündung) kann ebenfalls zu Mundgeruch führen. Besonders Keime, die für eine Zahnfleischentzündung verantwortlich gemacht werden, spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Mundgeruch. Aber nicht nur die Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis), sondern auch die Entzündung eines falschen Zahnes (Implantat, entzündetes Implantat : Periimplantitis) bzw. des Gewebes um ein Implantat kann zu Halitosis führen. Ebenfalls können offene Kariesstellen an der unangenehmen Geruchsbildung beteiligt sein, besonders, wenn sich Nahrungsreste in die Löcher einlagern und dort langsam verwesen. Das gleiche gilt für Füllungen und Kronen, deren Ränder nicht glatt sind und die somit eine Prädilektionsstelle für die Anlagerung von Bakterien oder für die Anhaftung von Nahrungsresten darstellen. Haben Zähnen keine ausreichenden Kontaktpunkt können sich Nahrungsreste leicht in die Zahnzwischenräume einlagern. Aus solchen Schmutznischen kann sich ebenfalls ein unangenehmer Geruch bilden, da die Zahnbürste in solchen Schmutznischen meist machtlos ist. Dies kann auch nach der Entfernung eines Weisheitszahnes  beobachtet werden. Begründet wird Mundgeruch nach einer Weisheitszahn OP durch die entstandene große Extraktionswunde im Kieferwinkel. Nahrungsreste nisten sich vor allem in Wunden im Unterkiefer ein, können aber durch die anatomische Lage kaum gereinigt werden. Patienten haben oft das Bedürfnis nach jeder Mahlzeit das entstanden „Loch“ zu reinigen und klagen über einen „gammeligen Geruch“. Spüllösungen und der Besuch beim Zahnarzt helfen die Zeit bis zur Heilung der Extraktionswunde zu überbrücken. Auch die gestörte Wundheilung nach einer Weisheitszahnentfernung, Alveolitis sicca genannt, kann zu einem unangenehmen Geruch aus der Mundhöhle führen. Foetor ex ore wird der Mundgeruch, der mit extremen Schmerzen einhergeht in diesem Zusammenhang oft genannt. Es sollte schnellst möglich ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Prothesen, die nicht täglich gründlich gereinigt werden, können ebenfalls zu einem unangenehmen Geruch aus der Mundhöhle führen. Beläge können sich an den Prothesensätteln oder grazilen Verbindungselementen festsetzen. Aus diesem Grund müssen auch Patienten mit einem reduzierten Restgebiss und Prothesen regelmäßig den Zahnarzt konsultieren. Eine Professionelle Zahnreinigung für das Restgebiss und die professionelle Reinigung der Prothesen ist meist sehr sinnvoll. Besonders häufig sollten sich auch Jugendliche mit einer festsitzenden Zahnspange zur Zahnreinigung vorstellen. Die Reinigung in den Zahnzwischenräumen wird oft nicht ausreichend gründlich zu Hause durchgeführt. Plaque bleibt in den Schmutznischen zwischen den Drähten hängen. Karies und Mundgeruch können die Folge sein.

Der Einfluss von Speichel bei der Entstehung von Mundgeruch

Speichel ist der wichtigste Kofaktor bei der Mundgeruchsentstehung. Speichel reinigt und spült die Mundhöhle. Ohne Speichel können sich Bakterien (Biofilm) vermehren, die gesamte Mundflora stark verändern und nicht nur Halitosis, sondern auch Parodontitis, Karies und Pilzerkrankungen auslösen. Neben der Speichelfließrate spielen folgende Kofaktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Mundgeruch:

  • Stress
  • Rauchen
  • überdurchschnittlicher Kaffeekonsum
  • Mundatmung
  • Einseitige Diäten (stark eiweißreich)
  • Zungenpiercing
  • Gestaltung der Zahnzwischenräume (lassen sich die Approximalräume gut reinigen oder sind sie zu eng bzw. zu lose gestaltet, so dass Nahrung zwischen den Zähnen hängen bleibt)
  • Alkoholkonsum
  • Fleischkonsum
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Body Mass Index (Gewicht)

Extraoraler Mundgeruch

Außerhalb der Mundhöhle ist der Ursprung von Halitosis am häufigsten im Rachenraum anzusiedeln. Entzündete Mandeln (Tonsillitis) sind die in der Literatur am meisten beschriebene extraorale Ursache für Mundgeruch. Auch Entzündungen der Nasennebenhöhlen (z.B. Sinusitis) können für den schlechten Atem verantwortlich gemacht werden. Weniger häufig als gemeinhin angenommen ist die Ursache für Mundgeruch im Magen zu suchen. Patienten, die nach Nagellack riechen können an einem diabetischen Koma erkrankt sein. Leberversagen kann in einem sehr frühen Stadium durch einen süßlichen Duft im Atem diagnostiziert werden. Allerdings kann der süßliche Geruch keinesfalls bei jedem Leberversagen festgestellt werden.

Interessant für alle Frauen: Mundgeruch wird durch den weiblichen Hormonhaushalt beeinflusst. Während des Eissprungs können die volatilen Schwefelverbindungen, die für den Mundgeruch verantwortlich sind, zwei- bis viermal so hoch sein.

Dass Mundgeruch auch bei bösartigen Krebsarten vorkommen kann, soll der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnt werden. Da dies allerdings in der Praxis sehr selten vorkommt, sollen Patienten, die an Mundgeruch leiden keinesfalls in Panik ausbrechen, sondern einen Zahnarzt aufsuchen, der zuerst einmal die Mundhöhle gründlich untersucht. Im Anschluss können HNO Ärzte und Gastroenterologen zur weiteren Diagnostik hinzugezogen werden. Ein Beispiel für ein bösartiges Geschehen ist der Ösophagustumor (Tumor der Speiseröhre), der schon im Frühstadium mit Halitosis einhergehen kann. Meist berichten die Patienten in diesem Zusammenhang auch über Sodbrennen und Schluckstörungen (Dysphagie). Bei einem Magenkarzinom tritt Mundgeruch zu einem späteren Zeitpunkt auf. Des Weiteren können Tumore der Mandeln (Tonsillenkarzinom) oder der Zungen zu Mundgeruch führen.

 Quellen

  1. 1 Filippi A, Halitosis, Professionelle Behandlung von Mundgeruch in der zahnärztlichen Praxis, 2. Vollständig und überarbeitete und erweiterte Auflage, 2011 3sQuintessenz VerlagFilippi A,
  2. 2 Halitosis – Aktueller Stand und Perspektiven, Zahnmedizin up2date4, 2008, 351-366,DOI 10.1055, s-2008-1038357



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