Professionelle Zahnreinigung sinnvoll?

Ist PZR wichtig? 

Professionelle Zahnreinigung sinnvoll?

Wie sinnvoll ist die Professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt? Vor- und Nachteile, Kosten und Risiken – für wen die Prophylaxe Sinn macht.

Sinn der Professionellen Zahnreinigung

Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist grundsätzlich für Jeden sinnvoll, sofern und soweit sie nicht zu häufig, also nur bei Bedarf durchgeführt wird und wenn bestimmte Nachteile und Risiken (siehe unten) beachtet werden.

Die Intensivreinigung der gesamten Mundhöhle durch fachlich geschultes Personal (Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin oder Dentalhygienikerin) ist der Sinn der professionellen Zahnreinigung. So gibt die Bundeszahnärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde klar an, dass nicht nur die Ästhetik der Zähne durch die Zahnreinigung verbessert, sondern auch das Risiko an Karies und einer Parodontitis zu erkranken, deutlich gesenkt werden kann. Aber auch allgemeinmedizinisch wirkt sich die Bakterienreduktion in der Mundhöhle positiv auf die Behandlung von Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen sowie Magen- Darmerkrankungen aus. Dies ist leicht nachzuvollziehen, bedenkt man, dass der Mund der Eingang zum gesamten Körper ist. Inwieweit Bakterien (z.B. parodontale Infektionen in Zusammenhang mit Frühgeburten und anderen Schwangerschaftskomplikationen stehen, wird bereits diskutiert, ist aber in Studien noch nicht eindeutig beschrieben. (Wimmer , Philstrom BL, A Critical assessment of adverse pregnancy outcome and peridontal disease, 2008)

Für wen ist die Professionelle Zahnreinigung notwendig

Besonders Patienten, die ein hohes Kariesrisiko aufweisen oder (häufig) an einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) leiden, sollten das Angebot der professionellen Zahnreinigung wahrnehmen. Die Prophylaxe stellt das Hauptinstrument der Vorbeugung (Prävention) in der Zahnheilkunde dar. Die Zähne werden von Zahnstein und Plaque gesäubert (Beläge, die Bakterien enthalten). So kann Karies verhindert und in vielen Fällen das Zahnfleisch vor einer Entzündung geschützt werden. Bei einer Parodontitis (Zahnfleischentzündung) ist die professionelle Zahnreinigung als unterstützende Therapie unerlässlich. Dieser Umstand wird auch aus Sicht der ganzheitlichen Medizin und der Naturheilkunde befürwortet. Ein Beispiel hierfür ist der Diabetes. Ausführlichere Informationen, für wen eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll ist, erfahren Sie im entsprechenden Beitrag.

Professionelle Zahnreinigung auch für Kinder sinnvoll

Schon ab dem 6. Lebensjahr macht es Sinn, Kinder zu einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt zu schicken, sofern sich Plaque auf den Zähnen gebildet hat. In diesem Alter brechen meist auch die ersten bleibenden Zähne durch (6-Jahres-Molar). Es ist für die spätere Entwicklung eines Kindes und zur Erhaltung der allgemeinen Gesundheit von großem Vorteil, wenn Plaque und Zahnstein von Anfang an regelmäßig entfernt werden.

Und dies passt auch in den Kontext einer besonders auf die Vorbeugung ausgerichteten modernen Zahnmedizin. Schon ab dem 6. Lebensmonat versucht man heute Kleinkinder im Rahmen der Frühuntersuchung spielerisch an die Zahnmedizin heranzuführen. Karies an den Milchzähnen kann eine bakterielle Infektion auslösen, die die nachfolgenden bleibenden Zähne angreift. Auch der frühzeitige Verlust eines Milchzahns wirkt sich negativ auf die nachkommenden Zähne aus, schließlich haben die Milchzähne eine Platzhalterfunktion. Wenn diese Funktion verloren geht, kann es zu Fehlstellungen kommen. Je früher Kinder und Jugendliche den korrekten Umgang mit einer guten Zahnreinigung zu Hause (insbesondere Zahnbürste und Zahnseide) lernen, desto einfacher ist es für sie, die tägliche Zahnpflege als etwas anzusehen, was zum normalen Tagesablauf gehört. Besonders wichtig wird die Reinigung der Zahnzwischenräume, wenn Kinder und Jugendliche eine Zahnspange tragen. Die professionelle Zahnreinigung hat während kieferorthopädischer Behandlungen einen besonders hohen Stellenwert um die Mundgesundheit zu erhalten.

Implantate und die Professionelle Zahnreinigung

Vor einer Implantation empfiehlt sich ebenfalls die professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen, um die bakterielle Belastung vor dem operativen Eingriff in der Mundhöhle zu minimieren. Noch wichtiger ist die Prophylaxe, wenn man mit einem Implantat oder eine aufwendige prothetischen Arbeit versorgt wurde. Implantate sind viel schwerer als die eigenen Zähne zu reinigen und auch eine Brücke optimal sauber zu halten, erfordert häufig ein ausgeprägtes manuelles Geschick. Bei der Prophylaxe dürfen Implantate nicht mit den üblichen Instrumenten berührt werden, um Defekte auf der Implantatoberfläche zu vermeiden. In der Regel kommen Kunststoffküretten zum Einsatz. Es werden aber beispielsweise auch spezielle Titankürretten (Firma: Deppeler), die durch die gleichen Materialeigenschaften wie das Implantat keine Schäden auf der Titanoberfläche der Implantate zurücklassen, verwendet. Das Airflowgerät kann verwendet werden, allerdings muss das Pulverstrahlgerät mit Glycinpulver (Aminosäure) benutzt werden.

PZR und Schwangerschaft

Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung ist insbesondere für Frauen sinnvoll, die eine Schwangerschaft planen. Das Risiko der Schwangerschaftsgingivitis kann genauso minimiert werden, wie das Risiko das Neugeborene mit Bakterien aus der eigenen Mundhöhle zu infizieren (primär primär Prophylaxe). Das gilt auch für die Väter. Nach aktuellen Erkenntnissen gilt Karies als Infektionskrankheit. Die Erreger bekommt das Kind von den Eltern und anderen engen Bezugspersonen. Salopp ausgedrückt steigt das Risiko eines Kindes an Karies zu erkranken mit der Mundhygiene der Personen, die dem Kind nahe stehen. Eine optimale Mundhygiene ist daher besonders für Mutter und Vater unerlässlich.

Professionelle Zahnreinigung bei Gingivitis

Für Patienten, die an einer Gingivitis (Zahnfleischentzündung) leiden, ist die PZR oft ein hilfreicher Weg das Zahnfleischbluten zu stoppen und beim Vorliegen einer Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteaparates) ist die professionelle Zahnreinigung unterstützend zur Parodontitistherapie (UPT) unerlässlich.

Weißere Zähne durch Professionelle Zahnreinigung

Neben den medizinischen Indikationen, wird auch häufig von kosmetischen Indikationen gesprochen. Unter einer kosmetischen Zahnreinigung versteht man das Entfernen von Verfärbungen, die vor allem durch Genuss von Schwarztee, Kaffee, Nikotin und Rotwein entstehen. Beläge und Zahnstein können die Ästhetik Ihres Lächelns maßgeblich beeinträchtigen. Erzielt man durch eine Professionelle Zahnreinigung also auch weißere Zähne? Leider nicht direkt. Zwar wirken die Zähne durch die Säuberung einfach strahlender, aber sie werden nicht weißer. Es muss darauf hingewiesen werden, dass Verfärbungen in der Regel wiederkommen und durch die PZR keine hellere Zahnfarbe erreicht werden kann. Hierfür müsste ein sogenanntes Bleaching durchgeführt werden.

PZR gegen Mundgeruch

Durch die Zahnreinigung wird auch der Atem frischer und besonders Patienten, die unter Mundgeruch leiden, sind oft sehr erleichtert. Für den Mundgeruch werden zu 90% Bakterien aus der Mundhöhle verantwortlich gemacht. Die Fäulnisbakterien siedeln sich in Schmutznischen, z.B. Zahnzwischenräumen und Grübchen in Zähnen, sowie in den Zungenpapillen an. Der vordere Teil der Zunge wird durch den Kontakt mit dem Gaumen beim Schlucken und Sprechen gereinigt. Im hinteren Teil der Zunge können sich allerdings Nahrungsreste absetzten. Bei deren Zersetzung werden übel riechende Schwefelverbindungen frei. Die Reinigung der Zunge sollte daher zur täglichen Pflege der Mundhöhle dazugehören.

Wie oft zur Professionellen Zahnreinigung

Wie oft soll man zur professionellen Zahnreinigung? Häufig wird die PZR zweimal im Jahr empfohlen. Bei Patienten mit einer ausgeprägten Parodontitis ist die PZR aber auch viermal im Jahr notwendig. In welcher Frequenz die professionelle Zahnreinigung notwendig ist, hängt maßgeblich von der täglichen häuslichen Mundhygiene ab. Wer jeden Tag die Zähne gründlich reinigt, mit Zahnseide oder Interdentalbürsten säubert, sowie einen Zungenschaber verwendet, muss weniger häufiger zur Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis gehen als jemand, der es mit dem Zähneputzen nicht so genau nimmt.

Nachteile und Risiken der Professionellen Zahnreinigung

Grundsätzlich werden gegen eine professionelle Zahnreinigung folgende Argumente genannt:

  • Gefahr der Freisetzung von Erregern aus den Zahntaschen,
  • Risiko der Infektion mit Erregern der Zahnarztpraxis,
  • Reizung bzw. Verletzung des Zahnfleisches (Vorsicht z.B. bei Einnahme blutverdünnender Mittel),
  • Antibiotikaprophylaxe bei Patienten mit Herzpass notwendig
  • Plaque bzw. Biofilm bildet sich schnell wieder nach (ca. 24 h dauert die Ausbildung des Biofilms)
  • Schädigung der Zahnoberfläche durch Pulverstrahlgeräte (bei falscher Anwendung und falschem Pulver),
  • Implantate können Kratzer bekommen,
  • Verwendung von Fluorid (es sind positive und negative Aspekte zu nennen),
  • Schmerzen bei der Behandlung,
  • Kosten (Geschäftemacherei).

Lesen Sie die einzelnen Argumente und unsere Empfehlungen in dem Beitrag Nachteile der Professionellen Zahnreinigung.

Fazit zur Beurteilung der Professionellen Zahnreinigung

Bei der Prophylaxe werden schwer zu reinigende Schmutznischen gesäubert und Plaque entfernt, die der Patient zu Hause selbst nicht oder kaum reinigen kann. Die PZR ist somit vielmehr als wichtige Unterstützung zur häuslichen Zahnpflege und Remotivation zu sehen. Wer zweimal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung geht, zu Hause aber wenig Wert auf die Mundhygiene legt, wird kaum Besserung bei entzündetem Zahnfleisch oder einen Kariesrückgang feststellen können. Den aufgeführten Nachteilen kann durch geeignete Maßnahmen entgegnet werden. Die PZR in Kombination mit guter Zahnpflege zu Hause stellt das wichtigste Präventionsmittel in der Zahnheilkunde dar.




2 Responses to “Professionelle Zahnreinigung sinnvoll?”

  1. Seitdem ich mindestens 1 – 2 x pro Jahr zu Zahnreinigung gehe, und die Tipps (mit etwas Disziplin) jeden Tag zu Hause umsetze, geht es Zahnfleisch und Zähnen deutlich besser. Noch eine Frage: Gibt es denn eine Alternative zu der Fluorid-haltigen Paste, mit der die Zähne am Ende versiegelt werden? Ich freue mich auf einen Tipp.

    • Es freut uns immer sehr, wenn Patienten im Rahmen der professionellen Zahnreinigung von einem erhöhten Wohlbefinden mit Zähnen und Zahnfleisch berichten. Die Mundhöhle ist der Eingang zum Körper und sollte daher besonders gepflegt werden.
      Fluorid ist im Rahmen der Schulmedizin nach wie vor der Goldstandard zur Kariesprävention. Allerdings gerrät Fluorid mehr und mehr in Verruf. Die Nebenwirkungen von Fluorid auf den Gesamtorganismus werden in den Medien von Intelligenzminderung bis Knochenfluorse beschrieben. So muss jeder Patient für sich selbst entscheiden, ob die Zähne nach einer PZR (professionellen Zahnreinigung) mit fluoridhaltigen Lacks versiegelt werden sollen oder nicht. Aber nicht nur das Versiegeln der Zähne sollte von skeptischen Patienten genau überdacht werden. Wer konsequent sein will, muss folglich auch das Fluorid in der Zahnpasta hinterfragen.
      Neben der fluoridhaltigen Lacks im Rahmen der professionellen Zahnreinigung werden in der Schulmedizin zur Kariesreminalisation vor allem zwei Präparate diskutiert. Zum einen handelt sich um Produkte, die Kalzium und Phosphat (CCP-ACP) freisetzten, zum anderen sind Produkte auf dem Markt, die durch nanohydroxylapatithaltige Stoffe versprechen die Zähne zu „stärken“. Letztere Produkte sind Ihnen vielleicht durch Werbeslogans wie „flüssiger Zahnschmelz“ geläufig. Namentlich handelt es sich z. B. um das Produkt BioRepair oder Apacare. Die Studienlage zum Nutzen und der Wirkung dieser Produkte scheint aber nach wie vor noch nicht abschließend beurteilbar. Der Wirkungsmechanismus ist, dass sich kleine Nanopartikel (100 bzw. 20 nm) an angegriffenen Schmelz anlagern können. Ausreichende Informationen zu Risiken und Nebenwirkungen zur Aufahme der enthaltenen Nanopartikel liegen noch nicht vor.
      Produkte auf Kalzium-Poshphat Basis versprechen mit dem sogenannten Casein-Phosphopeptid-Komplex (CPP) Zähne zur remineralisieren. Beispiele für diese Fluoridalternative sind GC Tooth mousse oder nanaosentitive. Wichtig zu wissen, CCP-ACP-haltige Produkte dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Milcheiweissallergie vorliegt.
      Patienten, die Wert auf eine Zahnpflege ohne Fluorid und andere Zusatzstoffe wie beispielsweise Triclosan legen, sollten besonders auf die Ernährung achten. In diesem Artiekl http://www.zahnreinigung.net/ernaehrung/ können Sie sich weiter zu diesem Thema informieren.
      Wer keinen Zucker ist, die Zähne tägliche gründlich säubert und zusätzlich regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung geht, hat gute Chancen mit gesunden Zähnen und einem straffem Zahnfleisch alt zu werden.
      Wir hoffen, Sie fühlen sich gut informiert.

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