Nachteile der Professionellen Zahnreinigung

Prophylaxe Risiken 

Nachteile der Professionellen Zahnreinigung

Die wesentlichen Nachteile / Risiken der Professionellen Zahnreinigung sind die Bakterienfreisetzung, Infektionsrisiko, Fluoridierung, Schmerzen und Kosten.

Freisetzung von Bakterien aus den Zahntaschen

Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung werden Bakterien freigesetzt, die durch kleine Mikrorisse am Zahnfleisch  in die Blutbahn gelangen und somit in den ganzen Körper gestreut werden. Dies ist insbesondere bei immunschwachen Patienten eine Gefahr.

Patienten, die einen Herzpass besitzen, müssen 1 Stunde vor einer PZR, bzw. 1 Stunde vor jedem zahnärztlichen Eingriff mit Blutungsgefahr, eine Endokarditisprophylaxe in Form von Antibiotika einnehmen.

Auch wenn eine Prophylaxe mit einigen Nachteilen verbunden ist, wird sich eine professionelle Zahnreinigung letztendlich oftmals als sinvoll erweisen.

Tipp: Um die Bakterienbelastung durch die PZR bei gesunden Menschen zu lindern bzw. zu minimieren, empfehlen wir vor und nach der Prophylaxe den Mundraum zu desinfizieren. Dazu bietet sich eine desinfizierende Mundspüllösung an. Chlorhexamed ist hierbei der Goldstandard. Listerine finden immer mehr Gebrauch. In der Naturheilkunde wird empfohlen, Wacholderöl und Teebaumöl einzusetzen. Beide sind stark antibakteriell und antiviral und wirken besonders gegen Erreger im Mund- und Zahnbereich. Naturheilkundler behaupten, dass Teebaumöl und Wacholderöl – insbesondere in Kombination – eine wesentlich breitere und stärkere Wirkung im Mundbereich als andere Mittel entfalten. Beide ätherischen Öle können hintereinander mit einer stumpfen Kanüle am besten in die Zahnzwischenräume spritzen werden. Im Anschluss empfiehlt es sich die ätherischen Öle einwirken zu lassen. Dabei werden nur geringste Mengen benötigt. Bei der Anwendung ist Vorsicht geboten. Die ätherischen Öle sollten nicht geschluckt werden, da sie innerlich reizend wirken. Eine solche Behandlung ist deshalb nicht bei Kinder zu empfehlen, wenn auch die ätherischen Öle bei ihnen einen guten Dienst leisten würden. Spucken Sie die Öle einfach nach der Anwendung mehrfach aus. Wir empfehlen aber nicht mit Wasser nachzuspülen, sondern das verbleibende wenige Öl im Mundraum lange nachwirken zu lassen. Falls kein ätherisches Öl zur Hand ist, wäre das Kauen von Wacholderbeeren – wenn auch mit deutlich geringerem Effekt – hilfreich.

Infektion mit Erregern

Bei jedem ärztlichen Eingriff, bei dem es zu Blutungen kommt, läuft der Patient grundsätzlich das Risiko, sich mit Erregern aus der ärztlichen Praxis zu infizieren. Abhängig vom Patientenstamm und vor allem je nach Hygienestandard der Praxis sind diese Belastungen geringer oder stärker ausgeprägt. Aus diesem Grund empfehlen wir vor und nach der Professionellen Zahnreinigung die oben genannte Desinfektion durchzunehmen.

Schädigung der Zahnoberflächen

Eine Schädigung der Zahnoberfläche ist bei der professionellen Zahnreinigung im Falle einer richtigen Durchführung nicht zu befürchten. Die Dentalhygienikerinnen und zahnmedizinische Prophylaxeassistentinnen sind ausgebildet, die Zahnoberflächen sehr sanft zu behandeln. Das Ultraschallgerät bzw. die Handinstrumente in Form von Scalern oder Kürretten gleiten drucklos über die Zahnoberfläche. Auch vom Airflowgerät (siehe Airflow) sind keine Verletzungen der Zahnhartsubstanz zu erwarten, so lange die Geräte mit Aminosäurepulver benutzt werden. Die geeigneten und sanften Pulver, die sowohl für das Behandeln von Wurzeloberflächen als auch für Implantatoberflächen zugelassen sind, bestehen vornehmlich aus Glycin. Von einer Behandlung mit Natriumcarbonatpulver sollte wegen Schädigung der Zahnoberfläche abgesehen werden. Das Airflowgerät muss nicht bei jeder Behandlung in den Einsatz kommen.

Kratzer an Implantaten

Das Verkratzen von Implantaten durch die professionelle Zahnreinigung ist eine häufige und berechtigte Angst. Implantate dürfen auf keinen Fall mit herkömmlichen Instrumenten berührt werden. Hierbei können Kratzer an der Titanoberfläche der Implantate entstehen. Die Handinstrumente müssen aus Kunststoff oder Titan sein. Das Airflowgerät kann, wenn es mit Glycinpulver betrieben ist, ohne Bedenken zur Reinigung der Titanoberfläche benutzt werden.

Fluorid aus naturheilkundlicher Sicht

Naturheilkundler argumentieren, allerdings ohne dass dies bislang wissenschaftlich belegt werden konnte, dass synthetisch hergestelltes ungebundenes Fluorid im Körper toxisch wirkt und Stoffwechselprozesse blockiert sowie das Immunsystem und die Leber schwer beeinträchtigen kann. Es wird also von einer Zufuhr von künstlichem Fluorid bei der Professionellen Zahnreinigung wie auch im Trinkwasser abgeraten. In Deutschland ist die Trinkwasserfluoridierung im Vergleich zu anderen Ländern wie z.B. den USA verboten. Hierbei würde es sich um die sogenannte Kollektivfluoridierung handeln, die in Deutschland nicht zulässig ist. Fluoridgegner sprechen diesbezüglich gerne von einer „Zwangsmedikation“. Aus diesem Grund dürfen auch öffentliche Einrichtungen wie z.B. Kantinen kein fluoridiertes Speisesalz benutzen.

Schmerzen bei der Behandlung

Bei der PZR haben Patienten oft Angst, dass es weh tut. Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen empfinden das Zahnsteinentfernen oft als schmerzhaft. Aber auch die Reinigung der Zähne am Zahnfleischrand kann als unangenehm wahrgenommen werden. Abhilfe kann Oberflächenanästhesie schaffen. Ohne Einstich wird das Zahnfleisch kurzfristig mit einem Gel betäubt. Eine etwas höhere anästhesierende Wirkung (betäubende Wirkung) hat Oraqix. Oraqix parodontal Gel ist eine nadelfreie Lokalanästhesie für das Reinigen von Zahnfleischtaschen (z.B. bei einer Parodontitistherapie). Die Wirkungsdauer beträgt ca. 20 min. Fragen Sie Ihren Zahnarzt nach Möglichkeiten, um die Prophylaxe sorglos und schmerzfrei zu erfahren. Generell gilt, je ordentlicher die häusliche Mundhygiene betrieben wird und je regelmäßiger Sie zur Individualprophylaxe kommen, desto weniger Zahnstein und Beläge werden sich bilden. Natürlich muss dann die Prophylaxeassistentin weniger Plaque entfernen und die Behandlung ist deutlich angenehmer.

Plaque bildet sich schnell neu

Gegner der Prophylaxe behaupten zu Recht, dass die Zähne nach 24 h wieder von einem Biofilm (Plaque) überzogen sind. Zwar glänzen die Zähne nach der Prophylaxe wieder, doch da die meisten Patienten nicht langfristig auf Tee, Kaffee oder Rotwein verzichten wollen, können sich Verfärbungen relativ rasch nach der professionellen Zahnreinigung erneut festsetzten. Die Erfahrungen zeigen aber, dass Zahnstein und Plaques durch die Reinigung zu Hause zu einem gewissen Grad nicht selbst entfernt werden können. Die PZR ist daher als essentielles Instrument die häsuliche Mundhygiene zu unterstützen anzusehen. Bei der  Prävention von Karies und der Parodontitis kommt der professionellen Zahnreinigung eine Schlüsselrolle zu.

Kosten der PZR

Eine Professionelle Zahnreinigung dauert zwischen 30 und 90 Minuten und sollte etwa 2-4 Mal im Jahr durchgeführt werden. Die Kosten werden durch den Zahnarzt selbst festgelegt und richten sich nach Dauer und Einsatz der verschiedenen Geräte. Die Preise liegen dabei erfahrungsgemäß im Schnitt bei etwa 100 Euro und einer Bandbreite von ungefähr 40 bis 250 Euro bei 28 Zähnen. Die professionelle Individualprophylaxe ist keine Kassenleistung sondern eine Privatleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen, wie z.B. die TK, erstatten die PZR nicht. Zusatzversicherungen wie beispielsweise die css, ARAG, Barmenia, ergo oder Continentale übernehmen je nach Tarif die Kosten der professionellen Zahnreinigung. Doch selbst wenn keine Lösung bezüglich einer Rückerstattung der Kosten über die Versicherung gefunden werden kann, sollte bedacht werden, wie hoch die Folgekosten einer fehlenden Vorbeugebehandlung im Sinne der Individualprophylaxe sein können. Es entstehen größere Defekte an den Zähnen und die Folgen einer chronischen Parodontitis können kostspielig sein. Die Behandlungskosten für eine Wurzelkanalbehandlung, Kronen, Brücken oder für ein Implantat übersteigen die Kosten für die professionelle Zahnreinigung um ein Mehrfaches. Ganz abgesehen von den Zahnschmerzen und den gesundheitlichen Belastungen, die durch Bakterien in der Mundhöhle im Gesamtorganismus ausgelöst werden können.

Fazit zur Professionellen Zahnreinigung

Bei der Prophylaxe werden schwer zu reinigende Schmutznischen gesäubert und Plaque entfernt, die der Patient zu Hause selbst nicht oder kaum reinigen kann. Die PZR ist als wichtige Unterstützung zur häuslichen Zahnpflege und Remotivation zu sehen. Wer zweimal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung geht, zu Hause aber wenig Wert auf die Mundhygiene legt, wird kaum Besserung bei entzündetem Zahnfleisch oder einen Kariesrückgang feststellen können. Den aufgeführten Nachteilen kann durch geeignete Maßnahmen entgegnet werden. Die PZR in Kombination mit guter Zahnpflege zu Hause stellt das wichtigste Präventionsmittel in der Zahnheilkunde dar und schützt nicht nur Zähne und Zahnfleisch, sondern auch Ihren Körper vor Bakteriämien. Es gibt also zahlreiche Argumente, dass die Professionelle Zahnreinigung sinnvoll ist. Für Patienten, die gesundheitlich beeinträchtigt sind (z.B. Diabetes, Zustand vor Chemotherapie) etc. oder Frauen, die schwanger werden wollen bzw. Kleinkinder in der Familie haben, ist die zahnärztliche individuelle Prophylaxe in regelmäßigen Abständen besonders wichtig.




2 Responses to “Nachteile der Professionellen Zahnreinigung”

  1. Ich hatte bis vor kurzem nur 4 Füllungen (3 im Unterkiefer, 1 im Oberkiefer). Hierbei handelte es sich um Altschäden, die schon lange zurück lagen. Mittlerweile bin ich 46 Jahre alt. Als mein alter Zahnarzt in den Ruhestand ging, überredete mich der neue Zahnarzt, der die Praxis übernommen hatte vor einem Jahr zu einer Zahnreinigung. In all den Jahren zuvor hatte ich nie eine Zahnreinigung gebraucht. Als ich dieses Jahr zur Kontrolle ging, hatte ich an 6 Zähnen im Oberkiefer Karies. Soviel wie nie zuvor in meinem ganzen Leben. Bei der Zahnreinigung im vergangenen Jahr wurde Airflow und Scaling angewendet. Nun habe ich die Vermutung, dass diese fehlerhaft durchgeführt wurde und die Zahnoberfläche beschädigt und damit kariesanfällig wurde. Ich habe den Eindruck, dass die Zahnreinigung mir nur geschadet und das Geld aus der Tasche gezogen hat. Liege ich richtig mit meiner Vermutung, dass die Zahnschäden von der Zahnreinigung mit Airflow kommen?

    • Dr. Anja Schabel:

      Vielen Dank für Ihren Beitrag.

      Sehr gerne beantworte ich Ihre Frage. Die professionelle Zahnreinigung ist keinesfalls als Geldmacherei der Zahnärzte zu bewerten, vielmehr ist sie eines der wichtigsten Instrumente der Zahnmedizin im Kampf gegen Karies und Parodontitis. Eine eingehende Untersuchung Ihres Gebisses kann freilich nicht mittels Internet erfolgen. Die Beurteilung von möglichen initialen Kariesläsionen ist so nicht möglich. In Studien ist jedoch klar belegt, dass der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt im Zusammenhang mit der Individualprophylaxe einen positiven Einfluss auf die Mundgesundheit hat. Die professionelle Zahnreinigung gilt als wichtiges Instrument zur Prävention von Karies. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass jeder die eigene Mundhygiene durch die regelmäßige PZR unterstützen lassen sollte. Kaum jemand ist bei der täglichen Zahnpflege so geschickt und ausdauernd, um dauerhaft auf die professionelle Zahnreinigung verzichten zu können. Die tägliche Verwendung von Zahnseide wirkt sich in der Regel positiv auf die Verhinderung von Zahnzwischenraumkaries aus. Durch eine gesunde Ernährung mit wenig Zuckerimpulsen kann darüberhinaus das persönliche Kariesrisiko ebenfalls minimiert werden.

      Während der Zahnreinigung werden die Zahnoberflächend schonend vom Biofilm gereinigt. Die Zahnreinigung wird durch geschultes Fachpersonal ausgeführt, so dass die Sorge vor Verletzung der Zahnoberfläche meist unbegründet ist. Für das Airflow Gerät werden mittlerweile so „sanfte“ Pulver hergestellt, dass diese sogar für die Reinigung der Zahnwurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleisches zugelassen sind.

      Beste Grüße,

      Anja Carina Schabel

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