Mundhygiene in der zweiten Lebenshälfte

Die Dritten Zähne reinigen – Tipps für die richtige Prothesenreinigung 

Mundhygiene in der zweiten Lebenshälfte

Die optimale Prothesenreinigung ist wichtig für die optimale Mundgesundheit. Lesen Sie Tipps zur Prothesenpflege.

Herausnehmbarer Zahnersatz

Unter dem Begriff herausnehmbarer Zahnersatz verstecken sich die unterschiedlichsten Prothesen, die das Fehlen von Zähnen kompensieren, um die Kaufunktion wiederherzustellen. Nicht nur die Totalprothese, sondern auch Teilprothesen (beispielsweise Modellgussprothesen mit Klammern) oder Teleskoparbeiten müssen regelmäßig gereinigt werden. Keinesfalls ist durch den Verlust der Zähne und dem Eingliedern einer Prothese die tägliche Mundhygiene zu vernachlässigen. Der Restzahnbestand muss gründlich mit Zahnbürste und Zahnpasta von Belägen gesäubert werden. Die Mundschleimhaut, auf der die Prothesen häufig aufliegen, sollte sanft gereinigt werden. Der Zahnersatz wird außerhalb der Mundhöhle geputzt.

Wie oft müssen Prothesen gereinigt werden?

Prinzipiell gilt die Faustregel: Prothesen und Restzahnbestand sollten zweimal am Tag ausführlich gereinigt werden. Nach jeder Mahlzeit empfiehlt es sich zusätzlich die Prothese aus der Mundhöhle herauszunehmen, um den Zahnersatz abzuwaschen und die Mundhöhle auszuspülen. So kann vermieden werden, dass sich die Nahrungsreste in der Prothese oder zwischen Zahn und Prothese verfangen.

Wie kann ich meine Prothese optimal sauber halten?

Die Prothesensättel (Kunststoff) können optimal mit einer Prothesenbürste gereinigt werden. Wie bei den Zähnen kann der Biofilm (Beläge) nur durch mechanisches Einwirken gelöst werden. Dies bedeutet, dass das Abspülen oder Einlegen von Prothesen in Wassergläser mit oder ohne Zusätze nicht die gewünschte Reinigungswirkung erzielt. Immer häufiger wird von der Industrie angepriesenen Prothesenreinigungstabs abgeraten, da der Kunststoff durch die „Chemie“ angegriffen werden könnten. Die Beläge gilt es durch die mechanische Reinigung von der Prothese zu befreien. Prothesenbürsten scheinen durch ihre individuelle Form hierfür ein besonders geeignetes Hilfsmittel zu sein. Aber auch mit herkömmlichen Zahnbürsten können gute Putzergebnisse erzielt werden. Sollte eine Zahnbürste benutzt werden, empfiehlt sich das Verwenden von einem weichen Produkt, um Kratzer in der Prothese zu vermeiden. Auf die Bürsten muss keine Zahnpasta aufgetragen werden. Da in der Zahnpasta auf den Zahnschmelz abgestimmte Abrasionspartikel (ausführlichere Information hier: Weißere Zähne) sind, sollte die Zahnpasta sogar weggelassen werden, um die Hochglanzpolitur des Prothesenkunststoffs nicht zu beschädigen. Die Bürsten können mit Wasser, Spülmittel oder Gallseife benetzt werden. Im Anschluss gilt es die Prothese bei gutem Licht und mit der Brille gründlich auf ihre Sauberkeit zu überprüfen. Zur zusätzlichen Desinfektion kann der Zahnersatz beispielsweise einmal im Monat in Mundspüllösung (z.B. Chlorhexidin) gelegt werden. Die Prothese muss komplett von der Mundspüllösung bedeckt sein, um eine optimale Reinigung zu erreichen. Nach ca. 5 Minuten kann die Prothese aus der Lösung genommen werden.

Die Prothese sollte zweimal am Tag gereinigt werden

Zweimal am Tag sollte die gründliche Reinigung des Zahnersatzes erfolgen. Es hat sich bewährt die Prothesen über einem mit Wasser gefüllten oder in einem mit einem Handtuch ausgelegten Waschbecken zu reinigen. Sollte die Prothese den Händen entgleiten, besteht nicht die Gefahr, dass sie am Waschbecken oder Fußboden aufschlägt und bricht bzw. Mikrorisse bildet.

Teleskopprothesen stellen bei der Reinigung eine besondere Herausforderung dar und benötigen viel Geschick und Geduld. Die kleinen Hütchen (Außenteleskope) können optimal mit Ohrenstäbchen oder harten Pinseln ausgestrichen werden. Zur Verstärkung der Reinigungswirkung können die Ohrenstäbchen in Seifenlauge getaucht werden. Das Gleiche gilt für die Reinigung von kleinen Verbindern oder Klammern bei Teilprothesen.

Auch die Mundschleimhaut braucht Aufmerksamkeit

Die Reinigung der Mundschleimhaut kann vor oder nach der Reinigung der Prothese/n erfolgen, sollte aber ebenfalls zweimal am Tag erfolgen. Die Mundschleimhaut kann mit Mullbinden abgetupft oder mit einer sanften Zahnbürste massiert werden. Die Mullbinden oder die Zahnbürste können in Kamillen- oder Salbeitee getaucht werden. Von fertigen desinfizierenden Produkten aus der Apotheke muss häufig abgeraten werden, da diese Tinkturen oft Alkohol als Bestandteil haben. Nach der ausführlichen Reinigung des Kieferkamms im Ober- und Unterkiefer sowie des Gaumens sollte an einem großen Spiegel mit Licht und Brille kontrolliert werden, ob die Mundschleimhaut von Nahrungsresten und Belägen gereinigt ist. Des Weiteren muss kontrolliert werden, ob die Mundschleimhaut gereizt, gerötet, weißlich verfärbt oder verletzt ist. In diesem Fall müssen Sie ihren Zahnarzt aufsuchen. Zusätzlich sollte mindestens einmal pro Tag die Zunge gereinigt werden. Die Zunge ist ein Reservoir für Bakterien. Somit spielt die Zungenreinigung eine wichtige Rolle für die Mundgesundheit und einen frischen Atem. Hier können Sie mehr zum Thema „frischer Atem“ lesen.

Zusätzlich zum täglichen Pflegeprogramm ist es zu empfehlen die Mundschleimhaut zu massieren. Durch die Massage der zahnlosen Kieferabschnitte kann eine bessere Durchblutung der Mundschleimhaut erreicht werden.

Gibt es Tricks, um die Prothese noch gründlicher zu Reinigen?

Die optimale Reinigung von Zahnersatz kann in einem Ultraschallbad erzielt werden. Zahnärzte und Zahntechniker arbeiten ebenfalls mit Ultraschallgeräten, um Verunreinigung und Beläge vorsichtig von den Prothesenoberflächen „rütteln“ zu lassen. Manche Arztpraxen bieten mit einer neuen prothetischen Arbeit den Patienten das geeignete Ultraschallgerät an. Ein Ultraaschallgerät kann aber auch im Internet oder in Haushaltswarengeschäften erstanden werden. Die Prothese sollte für ca. 10 Minuten in das Ultraschallbad gelegt werden. Als mögliche Lösung für das Ultraschallbad steht 3%iges H2O2 zur Verfügung. Dies kann in der Apotheke gekauft werden. Als besonderer Vorteil der Prothesenreinigung im Ultraschallbad ist die sanfte Pflege von grazilen Klammern und Teleskopen zu sehen. Besonders an Prothesen befestigte Klammern können bei der zu schwungvollen Reinigung mit Bürsten verbiegen. Für Patienten, die manuell nicht mehr so geschickt sind, stellt das Ultraschallgerät eine erhebliche Erleichterung für eine optimale Mundhygiene dar. Eine saubere Prothese ist die Grundlage für einen frischen Atem und einen guten Geschmack im Mund.

Wie oft sollte ich den Sitz der Prothese beim Zahnarzt kontrollieren lassen?

Prothesenträger sollten weiterhin zweimal im Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle gehen. Dies gilt aber nicht nur für Teilprothesenträger bei denen das Restgebiss untersucht werden muss, auch Totalprothesenträger sollten sich regelmäßig bei ihrem Zahnarzt vorstellen. Der Sitz der Prothese muss kontrolliert werden. Wackelt die Prothese kann sich die Schleimhaut, die als Auflage der Prothese dient, entzünden und Druckstellen können entstehen.

Zahnreinigung ist auch für Prothesenträger wichtig

Patienten, die Teilprothesen tragen, wird empfohlen zweimal jährlich zur Zahnreinigung zu gehen. Besonders bei aufwendigen Prothesen, die häufig an miteinander verblockten Zähnen befestigt werden, ist die Reinigung sehr aufwendig. Die professionelle Zahnreinigung dient zur Unterstützung der häuslichen Mundhygiene. Bei einem reduzierten Restzahnbestand ist die finanzielle Belastung bei der Zahnreinigung für den Patienten in der Regel nicht so hoch. Hier gibt es einen Überblick über die Kosten.

Was kann ich tun, wenn ich einen komischen Geschmack in der Mundhöhle habe?

Patienten, die einen schlechten Geschmack in der Mundhöhle haben, sollten überprüfen, ob die Prothese frei von Belägen ist. Bakterien können sich an Prothesen festsetzen und einen schlechten Atem verursachen. Hauptursache für den lästigen Mundgeruch ist allerdings die Zunge. Die Zunge liegt mit ihren vielen Krypten wie ein Bakterienrasen in der Mundhöhle. Die Bakterien bilden Gase, die wir als sehr unangenehm riechend wahrnehmen. Kurzum, der Bakterienrasen muss zerstört werden. Die tägliche Reinigung mit einem Zungenschaber kann Abhilfe schaffen und zu einem frischen Atem führen. Das gleiche gilt für die Prothesen. Die täglich gründliche Reinigung des Zahnersatzes von Belägen erhöht die Lebensqualität durch einen guten Geschmack im Mund. Erste Anlaufstelle für Patienten die Mundgeruch leiden, ist der Zahnarzt. Erst, wenn der Zahnarzt keine Ursache für den Mundgeruch finden kann, sollte die Ursache der Halitosis (Mundgeruch) bei einem HNO Arzt oder Gastroenterolgen gesucht werden. Lesen Sie hier mehr über Mundgeruch.

Der Speichel ist die natürliche Waschmaschine der Mundhöhle. Der Speichel ist voll von kariesprotektiven Stoffen und spült die Mundhöhle aus. Viele Medikamente reduzieren den Speichelfluss. Auch Patienten, die im Gesichtsbereich bestrahlt worden sind, leiden häufig an einer Xerostomie (Mundtrockenheit). Mundtrockenheit kann durch die fehlende Spülwirkung des Speichels der Mundhöhle auch zu Mundgeruch führen.

Gibt es Hilfe bei Mundtrockenheit?

Patienten, die an Mundtrockenheit leiden, sollten grundsätzlich auf eine ausreichende Wasserzufuhr achten. Des Weiteren können zuckerfrei Kaugummis und zuckerfreie Lutschbonbons Abhilfe gegen Xerostomie (Mundtrockenheit) schaffen. Ein Wundermittel gegen die trockene Mundhöhle konnte allerdings bisher noch nicht entdeckt werden

Tipps für Angehörige

Durch den diagraphischen Wandel wird die Bevölkerung immer älter. Totalprothesenträger wohnen häufig in Senioren- oder Pflegeheimen und sind mit der Säuberung der Prothesen überfordert. Für das gelegentlich völlig überlastete Pflegepersonal steht die Reinigung der Mundhöhle und des Zahnersatzes nicht unbedingt an erster Stelle. Besteht die Gefahr, dass Prothesen in Pflegeeinrichtungen vertauscht werden könnten, empfiehlt es sich in die Prothese durch den Zahnarzt oder Zahntechniker eine Kennzeichnung in den Zahnersatz einarbeiten zu lassen. Des Weiteren können besuchende Angehörige mit Hilfe eines Ultraschallgerätes die Prothese einfach und zeitsparend reinigen. Ein Blick in die Mundhöhle während eines Besuchs von Angehörigen ist ebenfalls sinnvoll. Die Mundschleimhäute sollen frei von Belägen, Speiseresten und Druckstellen sein. Das Massieren der Mundschleimhaut stellt eine wohltuende weiterführende Maßnahme im Sinne der Mundgesundheit dar.




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