Mundhygiene

Zahnreinigung zu Hause 

Mundhygiene

Die professionelle Zahnreinigung unterstützt die tägliche Mundhygiene. Zahnseide und Zungenreinigung gehören zur optimalen Mundpflege.

Zahnbürste

Hersteller übertrumpfen sich mit der Aussage die beste und effektivste Zahnbürste auf dem Markt anzubieten. Laut wird mit den neuesten Produkten und deren Vorteilen geworben. Die Handzahnbürste wird immer mehr von elektrischen Zahnbürsten abgelöst. Den Verbrauchern scheint die gründliche Zahnreinigung mit elektrischen Zahnbürsten leichter zu fallen, da rotierende oder schallbetriebene Bewegungen des Gerätes die eigene manuelle Ungeschicklichkeit kompensieren. Aber auch mit einer Handzahnbürste kann ein gutes Ergebnis bei der täglichen Reinigung der Zähne erreicht werden. Verbraucher sollten allerdings harte Bürstenköpfe meiden. Bei empfindlichen Zahnhälsen oder Zahnfleischrückgang sind weiche Bürstenköpfe zu empfehlen. Elektrische Zahnbürsten scheinen durch oszillierende, schallbetriebene oder ultraschallbetriebene Bewegungen den Biofilm effektiver zu zerstören als Handzahnbürsten. So wird durch die für den Anwender spürbaren Rüttelbewegungen die Plaque auch in schwer zu erreichende Regionen wie in Interdentalräumen und an Zahnoberflächen besser zerstört. Wichtig zu wissen ist, dass bei einigen Produkten auch die firmeneigene Zahnpasta für die korrekte Anwendung der elektrischen Zahnbürste notwendig ist. Bei der einzigen auf dem deutschen Markt angebotenen Ultraschallzahnbürste muss auch die partikelfreie Zahnpasta des Unternehmens benutzt werden, sonst funktioniert die Übertragung der Ultraschallwellen auf die Zähne nicht.

Zahnpasta

Zahnpasten sind in Europa der Kosmetikverordnung unterstellt. Dies bedeutet, dass diese Produkte keine Gesundheitsschäden verursachen dürfen. Verbraucher wissen, dass die Zahnpasta in Kombination mit Zahnbürste und Interdentalpflege wichtig für die tägliche Mundhygiene ist. Die Zahnoberfläche muss von Plaque befreit werden, um präventiv gegen Karies und Parodontitis vorzugehen. Das Ergebnis einer optimalen Mundhygiene in Kombination mit der regelmäßigen PZR ist eine glatte saubere Zahnoberfläche an der sich Bakterien weniger gut anhaften können. Der RDA Wert gibt radioaktive (relative) Dentinabrasion an. Je weniger Abrasion, desto schonender ist die Zahnpasta für die Zahnoberfläche. Zu klein darf der RDA Wert allerdings nicht sein, sonst verliert die Zahnpasta ihre mechanische Reinigungskraft. Doch zu viel Aufmerksamkeit darf dem RDA nicht geschenkt werden. Die Laboratorien, die den RDA Wert messen, weisen oft große Schwankungen bzgl. des RDA-Wertes einer Zahnpasta auf. Der RDA Wert einer Zahnpasta ist ein Puzzlesteinchen von vielen anderen bei der Optimierung der eigenen Mundhygiene. So darf nicht außer Acht gelassen werden, wie lange der Patient mit einer Zahnpasta die Zähne wie oft und mit welchem Anpressdruck putzt. Wichtig ist auch zu wissen wie die Zahnoberflächenbeschaffenheit der Zähne der Patienten beschaffen ist und wann die Zähne geputzt werden. Ob die Verbraucher sich gegen die von der Schulmedizin empfohlene fluoridhaltige Zahnpasta entscheiden, müssen die Patienten für sich selber entscheiden. Es gibt einige Anhaltspunkte um den Gebrauch von Fluorid kritisch zu beurteilen. Ob Nanopartikel in Zahnpasten halten was sie versprechen und wirklich wie flüssiger Zahnschmelz wirken, ist noch nicht abschließend geklärt. Am Ende kann häufig eine Empfehlung ausgesprochen werden: die Zahnpasta, die am besten schmeckt soll verwendet werden. Dann putzen Kinder und Erwachsene am längsten. Durch die mechanische Reinigung wird der Biofilm immer noch am besten zerstört.

Zahnseide

Jeder hat sie, die meisten verwenden sie nicht. Das Reinigen der Zahnzwischenräume ist vielen Menschen unangenehm. Kurzum: es muss aber sein. Von kleinauf sollte Kindern vermittelt werden, dass Zahnseide genauso wie das Bürsten der Zähnchen zur täglichen Mundhygiene gehört. Kinder die mit diesem Konzept groß werden, haben nicht das Problem, im Erwachsenenalter lang eingeübte Verhaltensmuster, nämlich die Zahnseide unbenutzt im Badezimmerschrank zu lassen, ändern zu müssen.

Gewachste Zahnseide gleitet leichter durch die Zahnzwischenräume, hinterlässt aber eine schmierige Wachsschicht an den Zahnoberflächen der Zahnzwischenräume. Flauschige Zahnseide ist oft schwerer anzuwenden als das glatte Konkurrenzprodukt, entfernt aber am besten Plaque aus den Interdentalräumen. Zur Reinigung von Brückengliedern stehen flauschige Zahnseidevarianten mit ausgehärteten Enden zu Verfügung, so dass die Zahnseide besser zwischen den Brückengliedern gefädelt werden kann. Für Implantatträger ist Zahnseide ein unerlässliches Hilfsmittel zur Prävention einer Periimplantitis.

Interdentalbürstchen

Ist viel Platz zwischen den Zähnen, der Zahnzwischenraum somit vergrößert, empfiehlt sich die Reinigung mit Interdentalbürstchen anstelle von Zahnseide, da Zahnzwischenraumbürstchen in diesem Fall eine größere Reinigungskraft aufweisen. Gerade bei Parodontitis-Patienten sind Zahnzwischenräume durch Knochen- und Zahnfleischrückgang häufig vergrößert. Für das interdentale Biofilmmanagement (Reinigung der Zahnzwischenräume von Plaque) sind Interdentalbürstchen die geeigneten Hilfsmittel. Interdentalbürstchen stehen in verschiedenen Größen und Formen von verschiedenen Herstellern zur Verfügung. Je nach Vorliebe der Patienten können Zahnzwischenraumbürsten mit oder ohne Halter empfohlen werden. Im Zuge einer professionellen Zahnreinigung sollten die geeigneten Bürstengrößen ausgesucht werden.

Zungenschaber

60 – 80% der Bakterien in der Mundhöhle befinden sich auf dem Zungenrücken. Auf der Grundlage dieser Zahlen ist es verwunderlich, dass die Reinigung der Zunge keinen größeren Stellenwert bei der täglichen Mundhygiene hat. Der Biofilm auf der Zunge ist der häufigste Grund für Mundgeruch. Aber auch auf die Kariesentstehung, die Parodontitis marginalis und die Periimplantitis scheint sich die Zungenreinigung, also das Eliminieren von Bakterien, positiv auszuwirken. Mit Zungenschabern oder Zungenbürsten kann die Zunge gereinigt werden. Zur effizienten Zerstörung des Biofilms auf dem Zungenrücken wird die Kombination mit speziellen Zahnpasten empfohlen.

Mundspüllösung

Neben der mechanischen Zahnreinigung mit Zahnbürste und Zahnpasta gibt es die chemische Plaquekontrolle. Darunter versteht man Mundspüllösungen. Chlorhexidin gilt als Goldstandard in der Zahnmedizin, ist aber nur zum kurzfristigen Gebrauch gedacht. Ätherische Öle werden ebenfalls seit Jahren in Mundspüllösungen verwendet. Vielversprechend ist eine Studie, die die antibakterielle Wirkung von reinen ätherischen Ölen, z. B. Teebaumöl auf Bakterien in der Mundhöhle testet. Mundspüllösungen ersetzen allerdings keinesfalls wie in der Werbung suggeriert das Zähneputzen. Bei einer dauerhaften Anwendung von Mundspüllösungen kann die bakterielle Flora in der Mundhöhle durcheinander kommen.

Ölziehen

Das Ölziehen ist in eine aus Indien stammende Reinigung der Mundhöhle. Gandhusa wird die Morgentoilette für die Mundhöhle im Ayurveda genannt. Ein Esslöffel gereiftes Sesamöl wird hierzu in den Mund genommen und für zwei bis drei Minuten durch die Mundhöhle „gezogen“. Schafft man es auch das Öl zu gurgeln, können die häufig mit Bakterien belegten Tonsillen (Mandeln) zusätzlich gereinigt werden. Im Anschluss wird das Öl in ein Küchentuch gespuckt und in den Müll entsorgt. Das Öl ist meist weißlich verfärbt, wenn es ausgespuckt wird. In der ayurvedischen Lehre werden durch das tägliche Ölziehen Schadstoffe, zum Beispiel Bakterien gebunden und mit dem Ausspucken des Öles aus der Mundhöhle eliminiert. Aber auch in wissenschaftlichen Artikeln konnte mittlerweile nachgewiesen werden, dass das Ölziehen einen positiven Effekt auf die Gesundheit des Zahnfleisches hat.

Kaugummi für gesunde Zähne und mehr Speichel

Die Werbung verspricht gesunde Zähne durch Kaugummi kauen. Leider ersetzt Kaugummikauen keineswegs die tägliche Mundhygiene. Zuckerfreie Kaugummis können allerdings durchaus hilfreich sein, wenn keine Zahnbürste zur Hand ist. Eine Studie (Mickenautsch) kommt zu dem Schluss, dass das Kaugummikauen gleich nach der Nahrungsaufnahme die Kariesbildung reduzieren kann. Dies wird vor allem durch die stärkere Speichelbildung, die durch die Kaubewegung ausgelöst wird, begründet. Der Speichel wirkt wie ein natürliches Spülmittel in der Mundhöhle. Der Speichel spült Nahrungsreste weg und die im Speichel bestehenden Mineralstoffe remineralisieren den Zahnschmelz und schützen somit vor Karies. So empfiehlt auch die American Dental Association das 20 minütige Kauen eines zuckerfreien Kaugummis nach den Malzeiten. Der frische Atem des Kaugummis ist leider eine Mogelpackung. Halitosis wird durch das Kaugummikauen nur überdeckt, keinesfalls therapiert. Patienten, die an Mundtrockenheit (Xerostomie) leiden, kann das Kaugummikauen helfen, die Speichelproduktion anzukurbeln. Und das sind nicht wenige. Fast 40% der über 60 Jährigen leiden an Mundtrockenheit (Geurtsen).

Munddusche

Durch die Anwendung von Mundduschen kann der Biofilm auf den Zahnoberflächen nicht zerstört werden. Die mechanische Reinigung mit Zahnbürste und Zahnpasta in Kombination mit einer adäquaten Zahnzwischenraumpflege ist der Hauptbaustein der täglichen Mundhygiene und kann nicht durch die Pflege der Zähne mit einer Munddusche ersetzt werden. Auf das zusätzliche Reinigen der Mundhöhle kann aus unserer Meinung nach mit der Munddusche verzichtet werden.

Richtiges Zähneputzen

Die Empfehlung lautet nach wie vor die Zähne zweimal tägliche gründlich zu reinigen, allerdings nicht unbedingt gleich nach jeder Mahlzeit. 30 Minuten sollten nach dem Konsum von säurehaltigen Getränken und Speisen bis zum Griff zur Zahnbürste verstreichen, da sonst mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird und der Zahnschmelz beschädigt werden könnte. Erosionen und Abrasionen sind die Folge. Auf lustloses Schrubben mit der Zahnbürste wie es immer noch häufig in Fernsehserien und Fernsehfilmen vorgemacht wird, sollte verzichtet werden. Die modifizierte Bass-Technik oder modifizierte Stilmann-Technik sind Zahnputzmodelle, die zwar Aufmerksamkeit beim Zähneputzen fordern, aber gute Reinigungserfolge garantieren und das Zahnfleisch nicht traumatisieren, so lange mit moderatem Anpressdruck gebürstet wird.

Zähneputzen von Milchzähnen

Schon ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne müssen Eltern beginnen die Kinder an eine Mundhygiene heranzuführen. Bis zum zweiten Lebensjahr sollen die Zähne mit einer höchsten erbsengroßen Menge Kinderzahnpaste geputzt werden. Ab dem zweiten Lebensjahr empfiehlt die Schulmedizin die Anwendung von Kinderzahnpasta zweimal täglich. Kinderzahnpasta hat einen Fluoridgehalt von500 ppm. Zahnpasta für Erwachsene kann zwischen 1.100 und 1.500 ppm Fluorid aufweisen. Da Kinder zu viel Zahnpasta verschlucken ist die Anwendung von fluoridhaltiger Kinderzahnpasta in jungen Jahren umstritten und auch die Schulmedizin empfiehlt erst ab dem 2. Lebensjahr auf fluoridhaltige Zahnpasta umzusteigen, wenn fluoridiertes Trinkwasser zur Zubereitung von Babynahrung benutzt wird.

Richtige Reinigung von Prothesen

Herausnehmbarer Zahnersatz müssen nach jeder Nahrungsaufnahme gereinigt werden. Betroffene sollten Prothesen über einem mit Wasser gefüllten oder mit einem Handtuch ausgekleideten Waschbecken reinigen. So bricht die Prothese nicht, falls sie den Händen entgleitet. Mit speziellen Prothesenbürsten können die Prothesen mechanisch gesäubert werden. Eine Desinfektion der Prothesen mit Chlorhexidinspülung im Anschluss erscheint sinnvoll. Des Weiteren empfiehlt es sich auch zahnlose Kieferkämme sanft mit einer weichen Zahnbürste zu reinigen und zu massieren. Eine zusätzliche Reinigung der sich auf einer Prothese angesammelten Beläge kann durch Ultraschallgeräte erreicht werden, die manche Dentallabore mit Anfertigung der neuen prothetischen Arbeit dem Patienten zur besseren Sauberhaltung des „neuen Gebisses“ anbieten. Auch Patienten mit wenig oder keinen Zähnen sollten sich halbjährlich zur Kontrolle in der Zahnarztpraxis vorstellen.

Quellen:

  • American Dental Association, America’s leading advocate for oral health, www.ada.org
  • Asokan S, Emmadi P, Chammundeswari R, Effect of oil pulling on plaque induced gingivitis: A randomized, controlled, triple-blind study. Indian J Dent Res 2009;20:47-51
  • Filippi A, Zungenreinigung, Quintessenz 2011;62(9)1195-1199
  • Geurtsen W, Buchalla W, Michel H, Laurisch L, Multitalent Speichel, Deutscher Ärzte-Verlag, Dent Mag, 2012;0(3),222
  • Hellwig E, Zahnpasta . worauf sollte der Zahnarzt bei der Empfehlung achten?, Quintessenz 2012;63(10):1259-1267
  • Lips M, Die Kombinierer, prophylaxe impuls 17. Jahrgang, 74-78, 2013
  • Mickenautsch S, Sugar-free chewing gum and dental caries – a systemtic review, H Appl Oral Sci. 2007;15(2):83-8
  • Müller H-P, Parodontologie, Georg Thieme Verlag, 2001
  • Schrott E, Ayurveda für jeden Tag, 2003 Wilhelm Goldmann Verlag
  • Warnke PH, Ätherische Öle: Antimikrobielle Wirkungen und potentielle Anwendungsoptionen in der Implantologie, Deutscher Ärzte Verlag, zzi, Z Zahnärztl Impl, 2009;25(1)



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